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Reisebericht Kurische Nehrung - Vilnius - Zemaitija (2004)
Helmut Wilke, Frankfurt/M (DE)

Meine Frau und ich waren im September 2003 insgesamt 16 Tage in Litauen mit dem Fahrrad unterwegs.

Anreise mit Fähre von Kiel nach Klaipeda und wieder zurück. Die Tour führte uns zuerst von Klaipeda über die kurische Nehrung nach Nida, Juodkrante und wieder nach Klaipeda. Die kurische Nehrung bietet sich für eine 1. Erholung an, ruhige Landschaft und ruhige Dörfer (zumindest zu unserer Reisezeit) und ein herrlicher Ostseestrand. Hier könnte man auch mal länger ausspannen.

Von dort ging es über Silute, Rusne den Nemunas entlang bis nach Kaunas. Dies ist eine sehr schöne Strecke mit folgender Ausnahme : da wir den Zugang in Klaipeda zum Kaiser-Wilhelm Kanal nicht fanden (trotz guten Karten und Fragen an Einheimische, wir sind auch ein Stück am Kanal geradelt aber dann in ein militärisches Sperrgebiet mit Kontrolle geraten) mussten wir im dichten Feierabendverkehr von Klaipeda nach Vilkyciai auf der nervenden "141" fahren, was jedoch wegen des Randstreifens nicht gefährlich ist. Entlang des Nemunas geht es über viele Kilometer auf gut zufahrenden Sandpisten wo wenig Autos anzutreffen sind. Aber wenn dann mal eins kommt muss man Staub schlucken. Weite Strecken führen dann wieder über die "141", die aber außerhalb der Städte nicht sehr stark befahren ist.

Von Kaunas, unbedingt ein Besuch wert, ging es am Nemunas weiter nach Prienai, Birstonas (noch mal einen sehr schönen Blick auf den Fluss). Von Prienai ging es über die vielbefahrene A16 nach Trakai und Vilnius. Und diese Strecke ist wirklich die Hölle, bis zu 90 PKW je Stunde überholen uns mit einem Affenzahn meist ohne Rücksicht. Die meisten sind deutsche Mittel- und Oberklassewagen mit Zollnummern die über die (ich glaube so nennen Sie diese Straße) Via Baltica nach Russland usw. überführt werden. Dies hat bei meiner Frau solche Ängste ausgelöst, dass sie in Zukunft solche Überlandtouren in Litauen nicht mehr durchführen möchte (nur noch Kurische Nehrung und einige Nationalparks sind angesagt).

Nach 2 Tagen Vilnius (für mich eine der schönsten Städte überhaupt, hat mich stark beeindruckt) ging es mit einem Bus (da wenig Leute konnten wir die Fahrräder (Vorderrad ab, Lenker quer) im unteren Laderaum verstauen) nach Siauliai. Von Siauliai haben wir einen Radausflug zum "Berg der Kreuze" gemacht, sonst gibt es in Siauliai nichts zu sehen. Von Siauliai mit dem Regionalzug nach Plunge und von dort mit dem Fahrrad in den Zemaitjos-Nationalpark. Wunderschöne Stimmung und Farben. Da wir schon außerhalb der Hauptreisezeit unterwegs waren, trafen wir dort keine Touristen so das wir es nicht wagten alleine an den Campingplätzen zu zelten. Wir haben unser Zelt sowieso nur in der Gegend herumgefahren, immer fanden wir ein Hotel/Pension. Die Tagesetappe kann dann schon etwas länger werden, z.B. 130 km bis nach Kaunas, da auf den letzten 50 ... 70 km keine Unterkunft (und auch kein Campingplatz) aufzutreiben war.

Von Plunge sind wir dann noch über Kartena, Kretinga nach Palanga geradelt, teilweise weit abseits der A11 über wunderschöne Pisten mit phantastischer Landschaft. Von Palanga (Baden in der Ostsee für uns schon zu kalt) gings zurück zum Fährhafen in Klaipeda.

Alles in allem war es eine sehr schöne Radreise. Man bekommt einen guten Überblick über Litauen und lernt auch die Litauer besser verstehen. Die Landschaften sind sehenswert (kurische Nehrung, Nemunas, Nationalparks) und die größeren Städte (Klaipeda, Kaunas, Vilnius) sehenswert. Die Reise war gut in 2 Wochen zu schaffen (ca. 1000 Radkilometer), diese 2 Wochen oder besser noch mehr sollte man schon mitbringen, da die Anreise von Frankfurt am Main über Kiel nach Klaipeda doch recht lange ist. Vielleicht gibt es in Zukunft auch preiswerte Flüge (mit Fahrradmitnahme) von Frankfurt am Main nach Vilnius !

Gefährlich war die Reise nur dann, wenn die Autofahrer (die ihre neue Freiheit vielleicht noch nicht richtig verstanden haben) massiv auftraten. Die Litauer waren immer hilfsbereit, auch wenn es ab und zu an Sprachschwierigkeiten scheiterte. Sicherer wäre es wenn Radfahrer und Autofahrer getrennte Verkehrswege nutzen könnten (abgetrennte Seitenstreifen, alternative Routen).

Bessere Karten bzw. Beschreibung von Fahrradrouten wäre auch hilfreich, und die Suche nach Unterkünften und damit die Planung wäre einfacher wenn es aktuelle Verzeichnisse (zumindest entlang der Radtouren) geben würde.